Spiel ’19: Eine Messe der Rekorde

Verfasst von juk am . Veröffentlicht in Messeberichte

Es war mehr als nur ein Rekord, den Dominique Metzler, Geschäftsführerin des ausrichtenden Friedhelm Merz Verlag bei der heutigen Pressekonferenz zu den 37. Internationalen Spieltagen Spiel ’19 in Essen verkünden konnte.

PK Panel 19Das Podium auf der Pressekonferenz: Frank Zirpins, Dominique Metzler, Maximilian Metzler und Hermann Hutter (v.l.).

Die Branche der Brettspiele boomt und so vergrößert sich die Spielemesse in Essen einmal mehr: Mehr als 1200 Aussteller (Vorjahr 1150) aus 53 Nationen zeigen auf einer Bruttoausstellungsfläche von 86.000 Quadratmetern (Vorjahr 80.000 Quadratmeter) 1500 Neuheiten (Vorjahr 1400). Auch für sie und ihr Team als Veranstalter sei das manchmal nicht mehr wirklich realisierbar, erklärte Dominique Metzler. Wobei realisierbar nicht im Sinne von umsetzbar gemeint war, sondern im Sinn des Erfassens. Umso mehr ein Glück für Dominique Metzler, dass sie die stets wachsende Messe künftig nicht mehr allein mit ihrem Team stemmen muss. Ihr Sohn Maximilian Metzler hatte sich im Frühjahr entschieden, ins Familienunternehmen einzusteigen. „Unnötig zu sagen, wie sehr ich mich darüber gefreut habe“, erklärte Dominique Metzler.

 

Neue Regelungen für den Besucher-Einlass

Mit der Messe selbst wächst nicht nur der Aufwand, sondern teilweise auch die Stände. Denn die Aussteller nutzen die Möglichkeit der erhöhten Quadratmeterzahl, um sich mit größeren, aufwendigeren Ständen noch besser zu präsentieren. Welch ein Glück, dass der Umbau der Messe Essen in diesem Jahr endlich abgeschlossen wurde. Die Hallen 4 bis 8 strahlen in neuem Glanz. Außerdem sorgte der abgeschlossene Umbau dafür, dass die Organisatoren der Messe den großen Ansturm der Spielefans, insbesondere in den Morgenstunden, besser bewältigen können. Denn in diesem Jahr wird der Besucher-Einlass neu geregelt: Neben den bisherigen Eingängen West und Süd steht erstmals auch der renovierte Eingang Ost mit 3000 zusätzlichen Garderobenplätzen und vielen Kassen zur Verfügung. Das ist der Haupteingang für diejenigen Besucher, die ihre Tickets erst vor Ort kaufen wollen. Der Eingang West ist nur für Besucher mit Vorverkaufstickets gedacht, dort gibt es keine Kassen. Am Eingang Süd gibt es einige wenige Kassen, dort finden alle Besucher, ob mit oder ohne Vorverkaufsticket, Einlass.

Die verbesserten Eingangsbereiche machen einen weiteren Service möglich: Koffer und Trolleys können an der Garderobe abgegeben werden, was 3 Euro kosten wird. Wer dann erstmals Spiele in den Koffer packen möchte, zahlt nochmals 2 Euro, jedes weitere Auffüllen ist kostenfrei. Dieser Service bietet den Besuchern die Möglichkeit, ihre Einkäufe an der Garderobe zwischenzulagern, sodass die Spiele nicht die ganze Zeit übers Messegelände geschleppt werden müssen. Eine weitere Neuheit: In Halle 7 gibt es nun ein weiteres Restaurant, das wie Dominique Metzler betonte, auch veganes Essen anbieten wird.

Der Generationszuwachs im Organisationsteam macht sich in diesem Jahr mit weiteren Innovation und Änderung bemerkbar. So war es die Idee von Maximilian Metzler, eine „Spiel Preview Night“ zu veranstalten, die am Vorabend der Messe die Gelegenheit bietet, die Neuheiten verschiedener Verlage noch vor Veranstaltungsbeginn auszuprobieren. Die Karten dafür waren binnen zehn Minuten ausverkauft. „Es gab 550 Karten, wir hätten das dreifache verkaufen können“, erklärte Dominique Metzler. Auch die Anbieter nutzen diese neue Chance. 65 Verlage sind für die Preview Night angekündigt. „Da machen andere eine ganze Messe draus“, sagte Metzler, um die Dimensionen der Abendveranstaltung zu betonen.

 

Zahlreiche Panels und Diskussionsrunden

Ebenfalls neu ist der Educator‘s Day, der am Freitag ein hochrangig besetzte Informationsplattform für Lehrer, Pädagogen und andere Interessierte bietet. Experten und Wissenschaftler aus der ganzen Welt diskutieren dann über das mögliche Potenzial von Spielen als Kernmedium für informelle und auch formale Bildungsangebote. Die Veranstaltung scheint den Nerv der Zeit getroffen zu haben denn laut Veranstalter haben sich Hunderte Pädagogen im Vorfeld angemeldet. „Wir haben alle Schulen deutschlandweit angeschrieben“, erzählte Dominique Metzler auf der Pressekonferenz. „Vom Echo sind wir mehr oder weniger umgekippt. Teilweise kamen Anfragen für 50 Personen starke Gruppen.“ Deshalb entschieden sich die Veranstalter, Plätze in einem zweiten Raum anzubieten, in dem das Panel zugeschaltet wird, sodass insgesamt 600 Leute den Vorträgen lauschen können.

PK Innospiel 19Große Überraschung bei den innoSPIEL-Siegern vom Zoch Verlag (r.) bei der Gratulation durch Dominique Metzler. Einer der Höhepunkte der Pressekonferenz war die Verleihung des Preises „innoSpiel“, der nun im dritten Jahr in Folge eine besonders innovative Spielidee auszeichnet. Die Vergabe übernahm Frank Zirpins vom Friedhelm Merz Verlag. Nominiert waren die Spieler „Ab durch die Mauer“ vom Zoch Verlag, „Detective“ aus dem Hause Portal Games im Vertrieb von Pegasus-Spiele sowie „Keyforge“ von Fantasy Flight Games im Vertrieb von Asmodee. Nach einer kurzen Vorstellung der innovativen Spielmechanismen wurde der Gewinner bekannt gegeben: „Ab durch die Mauer“, das mit seinem drehbaren Spielbrett und dem Magnetmechanismus die Jury überzeugt hatte. Autor Jürgen Adams sowie Spiele-Redakteur Walter Scholz  nahmen die Auszeichnung entgegen. Scholz lobte noch einmal ausdrücklich die Spielidee: „Da sind auch mir als Redakteur die Augen rausgefallen, als ich dieses Spiel zum ersten Mal gesehen habe. So etwas sieht man nicht oft.“

Das Spiel können die Besucher natürlich in den kommenden Tagen ausgiebig auf der Messe testen. Außerdem dürfen sie sich auf zahlreiche Panels und Diskussionsrunden in den Sälen „Berlin“ und „Rheinland“ freuen. Die Spiele-Autoren-Zunft lädt am Samstag um 11 Uhr zu einem Vortrag zum Thema „Spiele in Bibliotheken und Ludotheken – Spielen im öffentlichen Kulturraum“ ein. Um 13 Uhr gibt Sohrab Mostaghim von Persian Dice/Reality Game einen Einblick in die Spielekultur den Brettspielmarkt im Iran, in dessen Hauptstadt Teheran es inzwischen mehr als 50 Spielecafés gibt.

Allerdings mussten die iranischen Verlage und Gäste im Vorfeld erfahren, dass das Thema Brettspiele nicht so unpolitisch ist, wie es wünschenswert wäre. Sie erhielten keine Visa, lediglich ein Iraner, der auch die amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt, durfte einreisen, einem anderen gelang es über die spanische Botschaft. Schaut man sich entsprechende Tweets an, wurde die Einreise mit der Begründung abgelehnt, das man seitens der Botschaft nicht vom angegebenen Ziel der Reise überzeugt sei. Speditionen lehnten zudem den Transport der iranischen Spiele nach Europa ab. „Wir haben uns eingeschaltet und mehrere Logistiker gefragt“, erklärte Dominique Metzler. „Eine offizielle Begründung für die Ablehnung haben wir nicht bekommen, aber zwischen den Zeilen klang durch, dass die Logistiker dann auf einer Blacklist landen und keine Geschäfte mit den USA mehr tätigen könnten.“

 

„BrettSPIELcake“ und „Spiel4Good“

Doch die positiven Nachrichten auf der Pressekonferenz überwogen: Erstmals wird es auf der Spiel in Essen zwei Charity-Aktionen geben. Zum einen den „BrettSPIELcake“, eine Aktion für die mehr als 40 Blogger, YouTuber, Podcaster und einige Verlage Kuchen backen, der am Stand des Friedhelm Merz Verlages verkauft wird. Außerdem gibt es unter dem Motto „Spiel4Good“ eine Kampagne, für die einige Aussteller im Vorfeld der Messe rund 600 Spiele gespendet haben. Diese werden zusammen mit den Spielen der heutigen Preview Night in „Wundertüten“ zu je drei Spielen verpackt und zum Preis von 25 Euro täglich von 15 bis 17 Uhr an die Besucher verkauft. Der Erlös beider Aktionen geht an den Verein „Balu und Du“, der das Geld für eine Startfinanzierung seines ersten Standortes in Essen verwenden will. Das bundesweite Mentorenprogramm „Balu und Du“ fördert Grundschulkinder im Alter zwischen sechs und zehn Jahren im außerschulischen Bereich.

Ebenfalls sehr gute Nachrichten konnte Hermann Hutter Vorsitzender des Spieleverlage e.V. verkünden. Auch 2019 hat sich das kontinuierliche Wachstum der Branche fortgesetzt, die Umsätze sind einmal mehr um 4 Prozent gestiegen. Im Lauf der vergangenen fünf Jahre hat die Branche damit um mehr als 40 Prozent zugelegt. Gewinner sind vor allem Familien- und Erwachsenenspiele: Sowohl der Bereich der Familienstrategiespiele als auch der klassischen Erwachsenenspiele ist um jeweils 14 Prozent gewachsen. Aber auch Kartenspiele (plus 10 Prozent) sowie Würfel- und Wortspiele (plus 15 Prozent) legten deutlich zu. Größter Gewinner in den einzelnen Kategorien sind jedoch die Brainteaser- und Logikspiele, die sage und schreibe ein Wachstum von 51 Prozent erreichten. Hermann Hutter blickt entsprechend optimistisch auf das beginnende Weihnachtsgeschäft: „es gibt wenig so attraktive Produkte wie Spiele, die Spaß, Freude und erlebnisreiche Abende versprechen. Unter allen Spielwaren sind die klassischen Spiele und Puzzles die wichtigste Warengruppe Weihnachtsgeschäft.“

Auch in diesem Jahr gibt es wieder eine ausführliche Übersicht über die mehr als 1000 Programmpunkte und Messeevents der Spiel '19. Unter www.spiel-messe.com können sich Besucher  ausführlich über Signierstunden, Turniere und Wettbewerbe, Messepanels und andere Höhepunkte informieren.


Öffnungszeiten: Donnerstag bis Samstag 10 bis 19 Uhr, Sonntag 10 bis 18 Uhr.

Tageskarte Spiel: Erwachsene 15 Euro, Kinder (4 bis 12 Jahre) 8 Euro, Schüler, Studenten, Menschen mit Behinderungen 12 Euro, Familien (max. 5 Personen, 2 Erwachsene, Kinder nicht älter als 12 Jahre oder Schülerausweis) 36 Euro

Dauerkarte Spiel:  Erwachsene 37 Euro,  Kinder (4 bis 12 Jahre) 21 Euro, Schüler, Studenten, Menschen mit Behinderungen 28 Euro.

Wichtig: Um einen schnelleren Einlass in den Morgenstunden zu gewährleisten wird 2019 neben den bisherigen Eingängen West und Süd erstmals auch der erst kürzlich renovierte Eingang Ost mit 3.000 zusätzlichen Garderobenplätzen und vielen Kassen zur Verfügung stehen. Dieser wird der  Haupteingang für Besucher sein, die ihr Ticket erst vor Ort kaufen. Kassen gibt es auch am Eingang Süd. Am Eingang West stehen keine Kassen, sodass dort ausschließlich Besucher mit Vorkaufverkauf-Tickets Einlass finden. Diese können aber auch alle anderen Eingänge benutzen.

www.spiel-messe.com

Fotos: © Redaktion Spieledorf

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